Mobility aus neurozentrierter Sicht

Mittlerweile scheint der Begriff "Mobility" für alles genutzt zu werden, was mit einer Steigerung der Beweglichkeit einhergeht. Egal, ob es sich dabei um Tools handelt, neue Stretching-Methoden oder Yoga, Mobility scheint allgegenwärtig und die eierlegende Wollmichsau. Daher sollte man sich diesem Thema grundsätzlich auch kritisch stellen und hinterfragen, was es mit dem Mobility-Training tatsächlich auf sich hat.

Grundsätzlich gilt es "Mobility" von "Mobilization" zu unterscheiden. "Mobilization" bezieht sich auf jede Maßnahme, die das Ziel hat die Beweglichkeit zu steigern. Mobility bezieht sich jedoch nur auf die aktive Beweglichkeit, hat also immer etwas mit einer bewegungsspezifischen motorischen Kontrolle zu tun. Bewegungsspezifisch deshalb, weil unsere Mobilität nicht nur abhängig von der individuellen Bewegungsamplitude eines Gelenks ist, sondern auch abhängig von der jeweiligen Bewegung. Daher gilt auch beim Mobility Training "Isolation vor Integration".

Mobility-Training ist folglich in erster Linie immer die Bewegung des eigenen Körpers, stellt also eine aktive Bewegung dar. Denn nur die Bewegung, die wir auch kontrollieren können, besitzt eine Alltagstauglichkeit bzw. -relevanz. Daher gilt es das Mobility-Training strikt von den meisten Stretching-Methoden zu unterscheiden.

Jede Bewegung hat ihren Ursprung im Motorkortex im Gehirn. Dafür haben wir für jedes Körperareal (Muskeln) unterschiedliche Bereiche auf der Großhirnrinde des Frontallappens. Dabei sind die Areale im Gehirn mit unterschiedlichen motorischen Einheiten der Skelettmuskulatur gekoppelt. Je feiner die Bewegung, desto mehr Neuronen feuern zu den jeweiligen Muskeln. Daher werden Muskeln der Hände und der Füße von besonders vielen Neuronen befeuert, was bei der Bewegung der jeweiligen Gelenke zu einer besonders ausgeprägten Aktivität im Gehirn führt. Je mehr Gelenke wir bewegen, bzw. je komplexer die Bewegung, desto größer das Aktivitätsniveau im Gehirn. Unser Gehirn wächst an seinen Anforderungen (use it or lose it). Je mehr wir unser Gehirn arbeiten lassen, desto besser auch die gesundheitlichen Auswirkungen auf das Gehirn und den Körper.

Des Weiteren ist auch das Kleinhirn an jeder Bewegung beteiligt. Es sorgt für saubere Bewegungsabläufe und korrigiert, sofern notwendig, Bewegungen. Es sorgt also für genaue, ausbalancierte und störfreie Bewegungen. Während der Motorkortex das Gaspedal ist, ist das Kleinhirn eher das Lenkrad, welches die Bewegung des Fahrzeugs steuert. Statt nur geradeaus zu fahren, was einfachen linearen Bewegungen entsprechen würde, sollten wir, um unsere Fahrfähigkeit zu verbessern, auch mal komplexe Fahrmanöver durchführen, also schnelle Richtungswechsel, Kurvenfahrten, Serpentinen, etc. Denn je komplexer die Fahrmanöver, desto besser werden wir am Lenkrad. Das selbe gilt auch für unser Kleinhirn. Je komplexer die Bewegungsabläufe, desto mehr lernt unser Kleinhirn, was sich wiederum positiv auf unsere Leistungsfähigkeit auswirkt. Um der Analogie des PKW zu folgen bedeutet dies, dass unser Kleinhirn besonders komplexe, also möglichst dreidimensionale Bewegungen mag. Dies wiederum führt zu einer erhöhten Aktivität im Kleinhirn, aber auch im Motorkortex, weil hier die Bewegungsplanung für die komplexen Bewegungsmuster erfolgt.

Daher bedeutet optimales Mobility-Training nicht nur die Hände und die Füße aktiv einzusetzen, sondern auch an die Grenze der individuellen Bewegungsamplitude zu gehen, komplexe und variable Bewegungen auszuführen, um somit den größten Benefit zu erreichen.

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