Wie kann das Rollen der Fußsohle die Beweglichkeit in der "Superficial Backline" verbessern?

Die Superficial Backline (Oberflächige Rückenlinie) ist eine bindegewebige Verbindung, die von der Fußsohle (Plantarfaszie) über die Rückseite des Körpers bis zum Schädel reicht (galea aponeurotica). Sie schafft somit eine durchgängige Verbindung faszialer Strukturen von Fuß bis Kopf.

Angeblich würde bei einer Verspannung der Beinbeuger oder des Rückenstreckers das Foam Rolling der Fußsohle helfen, um eben diese Verspannungen im Bereich der Rückenlinie zu lösen. Dabei wird häufig der "Toe Touch" als Assessment benutzt, um die Auswirkungen des Rollens der Fußsohle zu demonstrieren.

Obwohl diese Wirkungsannahme immer noch weit verbreitet ist, ist sie falsch. Trotz der faszialen Verbindung wirkt das Rollen der Plantarfaszie nicht auf die Rückenlinie im strukturellen Sinne. Es wird weder das Gewebe rehydriert noch werden ferne Verspannungen gelöst, da dass fasziale System eben nicht wie ein Gummiband ist, dass man an einer Stelle bearbeiten kann, um an einer anderen Stelle die Auswirkung aufzeigen zu können. Wenn dem so wäre, könnte man an jeder x-beliebigen Stelle die Rückenlinie rollen, um z.B. den Toe Touch zu verbessern. Dennoch wird vor allem bei Demonstrationen des Effekts immer wieder zur Fußsohle gegriffen.

Der Wirkmechanismus ist rein neuronaler Natur. Durch das Rollen der Plantarfaszie werden sehr viele Mechanorezeptoren in den Fußsohlen aktiviert, die zu einer Stimulation des sensorischen Kortex im Gehirn führen. Der sensorische Kortex ist wiederum mit dem motorischen Kortex verbunden, was durch eine positive Reizsetzung zu einer verbesserten Beweglichkeit im Toe Touch führt. Durch die Aktivierung der Rezeptoren in der Fußsohle wird das Zentralnervensystem quasi gestartet, bzw. stärker aktiviert, was zu einer Verbesserung der Mobilität führt. Diese Mobilitätsverbesserung ist jedoch keinesfalls nur auf den Toe Touch beschränkt. In der Praxis konnte sich das Rollen der Fußsohle positiv auf die Schulterbeweglichkeit, Hüftbeweglichkeit und sogar Kraftleistung auswirken. Diese Auswirkungen haben nichts mit der faszialen Struktur zu tun, sondern einzig und allein mit der Funktionsweise des ZNS.

Nichts spricht gegen das Foam Rolling der Fußsohle. Die Annahme man könnte dadurch jedoch langfristig und nachhaltig Verspannung in der hinteren Kette lösen ist eher unrealistisch.

Wenn man um die Funktion des ZNS weiß, hilft dies nicht nur Wirkmechanismen erklären zu können, es schafft sogar ein besseres Verständnis für die Funktionsweise des Körpers und gestaltet das reguläre Training effektiver und effizienter.

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