Schmerzen im Knie - was kann helfen?

 

Schmerzen rund um die Kniescheibe haben vielerlei Ursachen, doch leider gibt es nur wenige Erfolg versprechende Behandlungsmethoden. Die Bezeichnungen Chondromalacia patellae, Patellaspitzen- syndrom oder Patellofemorales Schmerzsyndrom beschreiben einen oft lähmenden Schmerz im Kniescheibenbereich. Üblicherweise wird die Behandlung auf das Kniegelenk beschränkt, weil dort der Schmerz auftritt. Die Ursachen liegen jedoch meist woanders, beispielsweise im Hüft- oder Fußbereich. Wer nur das schmerzende Knie behandelt, ignoriert die Ursachen und wirkt lediglich auf die Symptome ein. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Knieschmerzen in aller Regel nicht von einer wirklichen Überlastung des Knies herrühren, sondern mit mangelnder Stabilität in der Hüfte zusammenhängen. Auch ein am Iliotibialband ziehender Gluteusmuskel führt zu Schmerzen an der Kniescheibe. Ein weiterer Faktor kann mangelnde Fußgelenksmobilität sein. Trainer und Sportler sind schnell dabei, Fußgelenke mithilfe von Tapes oder hohen Schuhen zu stabilisieren. Doch auch diese Maßnahme bekämpft nicht die Ursache und gibt nur scheinbare Sicherheit.

 

Im Basketball, wo Knieverletzungen besonders häufig auftreten, nimmt das Patellofemorale Schmerzsyndrom nahezu epidemische Ausmaße an. Entsprechendes Schuhwerk und Tapes bewirken eine Überstabilisierung des Fußgelenks, und so kommt es immer häufiger zu Fußgelenksverstauchungen und Patellasehnenverletzungen – Phänomene, die vor 20 Jahren noch fast unbekannt waren. Im Fußball, wo flache, leichte Schuhe getragen werden, kommen dagegen kaum Fußgelenks- bzw. patellofemorale Verletzungen vor. Es scheint, als würde die mangelnde Stabilität des Schuhwerks Fuß und Knie dazu veranlassen, sich selbst zu kräftigen und zu schützen.

 

Anstatt das Knie mit Eis, Ultraschall bzw. Taping zu behandeln, kann es sinnvoller sein, von der Hüfte abwärts ein sorgfältiges Kräftigungsprogramm zu durchlaufen, das insbesondere auf die Kontrolle exzentrischer Beugebewegungen, der Adduktion und Innenrotation des Knies abzielt. Eine im Jahr 2003 durchgeführte und im Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy veröffentlichte Studie aus Irland zeigte, dass Frauen, die unter patellofemoralen Schmerzen leiden, sehr häufig Schwächen in Hüftabduktion und -außenrotation aufweisen. Wer seine Hüftkontrolle trainiert und einbeinige plyometrische Übungen zum Aufbau von Stabilität absolviert, hat gute Chancen, langfristige Besserung zu erzielen.

 

Der Einfluss von M. gluteus medius bzw. Adduktoren auf Knieschmerzen

 

Wenn die an unserem Institut trainierenden Athleten über Knieschmerzen klagen, untersuchen wir immer zunächst ihren M. gluteus medius auf Verhärtungen. Wir können sagen, dass quasi jeder Sportler, der unter Kniebeschwerden leidet, auf der gleichen Körperseite auch Verhärtungen im M. gluteus medius aufweist. Neueste Untersuchungen zur Ursache von Knieschmerzen bestätigen unseren Verdacht. Wenn wir das Weichgewebe im M. gluteus medius massierten, konnten wir die Knieschmerzen signifikant lindern.

 

Bei den meisten Sportlern fanden wir außerdem eine Schwäche des M. gluteus medius. Hieraus kann geschlossen werden, dass schwache Hüftstabilisatoren mit mangelnder Kontrolle der Knie- und Hüftbeugung sowie einer Komponente der Adduktion und Innenrotation einhergehen. Diese Probleme führen zu Schmerzen im Patellofemoralgelenk. Wir schauten uns also die Adduktoren, die seitlichen Hüftstrukturen, deren Kraft bzw. Überaktivität an und fanden heraus, dass die Adduktoren empfindlich auf Druckpunktmassage reagierten. Außerdem waren sie in der Regel zu schwach und versuchten, den Hüftbeuger zu ersetzen.

 

Einbeiniges Training bei Knieschmerzen

 

Die Ursache des Problems scheint im klassischen Krafttraining zu liegen, das beidbeinig ausgeführt wird und Bewegungen hauptsächlich in der Sagittalebene trainiert. Wer Kniebeschwerden in den Griff bekommen möchte, muss seine Hüft-, Knie- und Fußgelenksbewegungen in der Frontalebene kontrollieren. Daher ist es notwendig, einbeinige Übungen ins Krafttraining einzubauen. In erster Linie sollten nicht unterstützte einbeinige Übungen (der freie Fuß hat keinen Bodenkontakt) wie die einbeinige Kniebeuge und einbeiniges Kreuzheben trainiert werden. Kniedominante Übungen wie die Kniebeuge im Ausfallschritt, evtl. mit erhöhtem hinteren Fuß, erzielen zwar eine ausreichende Belastung in der Sagittalebene, fordern aber die Hüftstrukturen in Frontal- und Transversalebene nicht genügend heraus. Bei der freien einbeinigen Kniebeuge muss der Trainierende auf einem Bein stehen, wobei das passive Bein keinerlei Bodenkontakt bzw. Halt haben darf. Damit wird die Kniebeuge, obwohl die Bewegung nur durch die Sagittalebene erfolgt, zu einer wahrhaft dreidimensionalen Übung. Durch den einbeinigen Stand werden Hüftstrukturen, Abduktoren und Außenrotatoren gezwungen, Stabilisationsarbeit gegen die Kräfte zu leisten, die in Frontal- und Transversalebene wirken.

 

Nur bei diesen nicht unterstützten einbeinigen Übungen gestatten wir den Trainierenden anfangs, die Bewegungsamplitude zu verkürzen, um Hüftkontrolle zu entwickeln. Dies stellt eine große Ausnahme dar, denn ansonsten halten wir uns generell an den Grundsatz, Übungen nur mit dem vollen Bewegungsumfang trainieren zu lassen. Wir beginnen mit dem eigenen Körpergewicht. Je weiter der Sportler fortschreitet, desto größer muss der Bewegungsumfang werden. Erst wenn der Athlet in der Lage ist, die Übung in vollem Bewegungsumfang ohne Schmerzen zu absolvieren, können zusätzliche Gewichte aufgelegt werden. Wir setzen aber von Beginn an kleine, 2,5kg schwere Kurzhanteln ein, um dem Athleten dabei zu helfen, sein Körpergewicht in Richtung Ferse zu verschieben. Das im Folgenden beschriebene Behandlungsprogramm wurde für Sportler mit patellofemoralen Schmerzen entwickelt.

 

Schritt 1: Manipulation des Weichgewebes im M. gluteus medius mittels Tennisball, Hartschaumrolle bzw. Massage ist unser erster Schritt.

 

Schritt 2: Reaktives neuromuskuläres Training (RNT) für die Hüftabduktoren in Verbindung mit einem Kräftigungsprogramm für die Knie- und Hüftstrecker. Hier stehen einbeinige, freie Übungen mit graduell vergrößerter Bewegungsamplitude im Vordergrund. Der Begriff reaktives neuromuskuläres Training wird leider für zwei grundverschiedene Ideen benutzt, was für Verwirrung sorgen kann. Daher möchten wir hier kurz auf die verschiedenen Definitionen eingehen: Der Physiotherapeut Mike Clark von der National Academy of Sports Medicine benutzt den Begriff RNT gleichbedeutend mit plyometrischem Training (Reaktivkrafttraining). Unser Physiotherapeut Gray Cook dagegen versteht unter RNT, dass auf ein Gelenk in Gegenrichtung zur Muskelbewegung Druck ausgeübt wird. Um die Hüftabduktoren effektiv zu aktivieren, legt man ein Band um das Knie des Sportlers und zieht damit das Bein heran. So wirkt eine Adduktionskraft auf das Bein ein und zwingt die Abduktoren, aktiv dagegenzuhalten. In einer Therapiesitzung oder im Personal Training kann der Physiotherapeut bzw. Personal Trainer die Adduktion herbeiführen. Andernfalls wird ein Theraband, ein Theratube o. Ä. eingesetzt. Es ist der M. gluteus medius, welcher der Adduktionskraft des Bandes entgegenwirkt. Diese Übung haben wir von Shad Forsythe, Leistungsexperte bei Athletes’ Performance, Los Angeles, übernommen.

 

Schritt 3: Im dritten Schritt kräftigen wir die Hüftstrecker, indem wir drei verschiedene Bewegungsmuster einsetzen: 1. Übungen mit gestrecktem Bein, 2. Übungen mit gebeugtem Bein und 3. Beincurls. Die Übung mit gestrecktem Bein ist das einbeinige Kreuzheben mit gestrecktem Bein (in Wirklichkeit ist das Bein nicht ganz gestreckt, sondern das Knie wird etwa um 20° gebeugt). Die Übung mit gebeugten Beinen ist eine Variante der Brücke. Der Beincurl trainiert die Hüftstreckfunktion des Gluteus.

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